Es ist genug – Breaking the silence

August 10th, 2010 § 0

Diese kurze Stellungnahme habe ich vor ein paar Tagen auf Facebook veröffentlicht:

Ich trage nun seit Tagen die Last dessen, was ich hier wiedergeben will, mit mir herum, auch wenn es bereits mein gesammtes Leben, zumindest, soweit meine Erinnerung reicht, in mir steckt.
Der Auslöser für diese Aktion liegt begründet in einem meiner, eigentlich zur Entspannung gedachten, “ich googel mich mal ziellos durchs Netz”-Aktionen. Dabei bin ich auf folgenden Forumsbeitrag gestoßen:

immer wieder stelle ich mit einiger Verwunderung fest, dass ich erschrockene Reaktionen ernte, wenn ich offen zugebe, nicht an Gott zu glauben.

Selbst Leute, die sich selbst als “nicht wirklich religiös” bezeichnen und nie einen Fuß in die Kirche setzen, reagieren peinlich berührt, als hätte ich etwas fürchterlich Unmoralisches oder Verwerfliches gestanden, über das man in der Öffentlichkeit nicht redet.

Warum hat Religion (und ich meine hier nicht fundamentalistische Ausprägungen, ganz gleich ob christlich, muslimisch oder pastafarian) eine derartige Macht in unserer eigentlich doch so aufgeklärten Gesellschaft, dass es als Unziemlich gilt, sich als Atheisten zu bezeichnen. Und wenn man es doch tut, wird man, selbst von eigentlich ähnlich denkenden Menschen, als Arrogant eingeschätzt oder sogar offen so bezeichnet.

Warum sind “wir” gesellschaftlich dazu gezwungen, religiöse Ansichten jedweder Art zu respektieren, wobei umgekehrt “unsere” Ansicht nicht einmal akzeptiert wird?

Folgendes Zitat von Douglas Adams habe ich Dank Richard Dawkins “The God Delusion” gefunden (aus einer Rede während der Digital Biota 2 in Cambridge, komplett nachzulesen hier biota.org):

[Religion] has certain ideas at the heart of it which we call sacred or holy or whatever. That’s an idea we’re so familiar with, whether we subscribe to it or not, that it’s kind of odd to think what it actually means, because really what it means is ‘Here is an idea or a notion that you’re not allowed to say anything bad about; you’re just not. Why not? – because you’re not!’ If somebody votes for a party that you don’t agree with, you’re free to argue about it as much as you like; everybody will have an argument but nobody feels aggrieved by it. If somebody thinks taxes should go up or down you are free to have an argument about it, but on the other hand if somebody says ‘I mustn’t move a light switch on a Saturday’, you say, ‘Fine, I respect that’.
[...]
Why should it be that it’s perfectly legitimate to support the Labour party or the Conservative party, Republicans or Democrats, this model of economics versus that, Macintosh instead of Windows, but to have an opinion about how the Universe began, about who created the Universe, no, that’s holy? What does that mean? Why do we ring-fence that for any other reason other than that we’ve just got used to doing so? There’s no other reason at all, it’s just one of those things that crept into being and once that loop gets going it’s very, very powerful. So, we are used to not challenging religious ideas but it’s very interesting how much of a furore Richard [Dawkins] creates when he does it! Everybody gets absolutely frantic about it because you’re not allowed to say these things. Yet when you look at it rationally there is no reason why those ideas shouldn’t be as open to debate as any other, except that we have agreed somehow between us that they shouldn’t be.

(Vielleicht liefere ich dazu noch eine Übersetzung nach, momentan gehe ich naiverweise davon aus, dass die meisten die dazu berechtigt sind, dies zu lesen, ausreichend der englischen Sprache mächtig sind).

Es geht mir hier nicht ums missionieren, vor allem, da ich das in allen seinen Arten von ganzem Herzen ablehne, sondern in erster Linie darum, meinen persönlichen Standpunkt zu äussern, ungeachtet der Frage, ob das hier irgendjemanden auch nur annähernd interessiert.

Letzte Nacht habe ich mich auf the-brights.net eingetragen. In erster Linie aus Solidarität (die Brights-Bewegung ist vor allem in Nordamerika aktiv, vor allem den Vereinigten Staaten). Auch die Selbstbenennung “Brights” kann man unbestreitbar als arrogant bezeichnen, aber das will hier jetzt mal nicht groß ausdiskutieren. Viel wichtiger erscheint mir, dass eine solche Bezeichnung für US-Atheisten (ich bevorzuge dennoch diese Bezeichnung, auch wenn die Selbstdefinition der Brights weiter geht, schliesslich könnte ein Atheist zwar nicht an Gott, aber an Kobolde (o.ä.) glauben) notwendig zu sein scheint, da “Atheist” schlicht zu negativ besetzt ist. Eine Entwicklung, die ich so langsam aber sicher auch in Europa feststelle. Der Wunsch, der hinter der Namensgebung steckt, oder vielmehr die Hoffnung, ist, dass sich ähnlich wie “gay” in der homosexuellen Bewegung, das positiv klingendere “bright” für die naturalistische Bewegung durchsetzt. Ein spannender Gedanke, wie ich finde.

Nun gut, ich wollte das jetzt mal loswerden. Verstecken werde ich mich auf jeden Fall nicht mehr.

PS: Ich erwarte keinen Respekt für meine Einstellung, ich erwarte lediglich Akzeptanz.

Irgendwann

August 10th, 2010 § 0

…ist immer das erste Mal.